26 Oktober 2013

Afrika



































 


Wie ihr ja vom letzten Post wisst, war ich seit dem 01.10.2013 mit meiner Familie in Afrika.
 Ich habe in der Zeit dort Tagebuch geführt, weil ich ja nicht posten konnte. 
Dies hier sind also die Einträge.

01.10.2013 (Im Flugzeug)
Ich habe bis eben die Sonne beim untergehen beobachtet. Jetzt ist sie weg und ich fühle mich schrecklich verlassen. 

02.10.2013 (Immernoch im Flugzeug)
"Wer bist du? 
Bist du irgendwer?
Warum fragst du wohin und nicht woher?"
-Alin Coen

Zimbabwe
Es ist nun schon 18:19 Uhr und ich habe in der zeit, in der ich nichts geschrieben habe, soviel gedacht, dass ich die hälfte schon garnicht mehr weiß. Ich hab schon das erste Insekt von meiner Bettkante geschubst... Toll, wo ich doch mein eigenes Zimmer für 2 Nächte hab. Mama und Heiko warten. 
(...)
Nun ist es soweit. Ich weine und kann nicht damit aufhören. Das fing eben beim Abendessen an, aber weil es so dunkel war, haben meine Eltern es nicht gleich gesehen. Erst beim beleuchteten Buffet. Und da ging die Welt unter. Dann musste ich meiner Mutter natürlich auch was erzählen. Am besten die Wahrheit. Ich habe nur wenig erzählt, das meiste ausgelassen. Meine Art mich abzulenken, damit klar zu komme behielt  ich  für mich. Gut, dass sie nichts von alldem weiß. 
Ich will eigentlich lesen, aber dann habe ich, wenn ich die Bücher und die Zeitschrift durchgelesen habe, nichts mehr. Also heul ich und schau CIA oder so. Kein plan. Ist halt auf Englisch und ich bin leicht abgelenkt. Ich würde gerade alles darum geben, in meinem Bett Zuhause zu liegen. Den Pullover von Alina, den, den sie am liebsten trägt, habe ich gerade an und er riecht noch so vertraut nach ihr. 
Ich kann nicht mehr. 

03.10.2013 Zimbabwe 
Wir waren bei den Victoria Fällen heute vormittag. Sie sind so gewaltig, selbst jetzt, wo nicht einmal die Regenzeit ist, dass man sich als Mensch richtig kümmerlich vorkommt. 
Ich hatte heute Abend Internet und habe mit Alina, Stine und Leonie geredet. Alina meinte, es wäre ein gute Idee, wenn ich Mamas Angebot annehme, und zu einer Therapeutin gehe. Ich weiß noch nicht. Eigentlich will ich das gar nicht. Ich bin ja nicht krank. Wie meine Mutter sagt "fehlt mir einfach manchmal die Lebensfreude". 
Morgen fliegen wir ein Stück und sind dann beim Krüger National Park. 

04.10.2013  Zimbabwe  
Ich sitze gerade am Flughafen. Mama und Heiko müssen mit irgendeinem Typen vom Flughafen-office reden, weil wir unsere Impfpässe vergessen haben und die wegen der Gelb-Fieber-Impfung brauchen um in Südafrika einzureisen. Sie kommen gerade wieder. Mal sehen was wir jetzt manchen.
So. Also, wir fuhren dann also mit dem Bus, der uns zum Flughafen gefahren hat, ins nächste Dorf, wo wir in einer kleinen Praxis neue Pässe ausgestellt bekamen. Dann fuhren wir zurück zum Flughafen und checkten ein. 
Jetzt sind wir im Flieger und er ist unglaublich kein, so klein, dass nur drei Sitzplätze in eine Reihe passen. 
Ich weiß nicht. Meine Mutter meint, dass das ganze mit den Pässen und so weiter ja doch ganz spannend gewesen sei, aber ich fand das eigentlich nicht so super. Ich bin eher der Europa-Reisen-Typ. 
Noch genau drei Wochen. 

Ich habe "Für immer der deine" von Nicolas Sparks gelesen. Irgendwie war das ne scheiß-Idee. 

05.10.2013 Krüger National Park 
Ich kann wieder eines der Daten durchstreichen, welche ich vorn in den Bucheinband geschrieben habe. Beruhigend, dass die zeit weiterläuft. 
Mama hat wieder gefragt, ob ich nach Hause fahren möchte. Und ich muss zugeben, dass ich.seit die das erste mal gefragt hat, häufig drüber nachgedacht habe. Aber wie dumm muss man denn sein, um jetzt, wo ich schon hier bin und fünf Tage geschafft habe, nachhause zu fahren. Dann werde ich auch die letzten neunzehn schaffen. 
Und selbst wenn... Flughäfen sind selbst in Südafrika keine allzugroße Seltenheit. 
Wir waren heute am Whites River Canyon und es ist wirklich atemberaubend gewesen. Ich konnte mir echt nicht vorstellen, dass alles, was ich von dort aus gesehen habe, wirklich da war, und nicht nur ein Gemälde in einer Galerie. 

06.10.2013 Krüger National Park
Der Tag ist wieder fast rum. Es ist gerade 16:30 Uhr und ich sitze mit noch nassen Haaren vom Duschen auf dem Bett. Wie haben eine Safari von 06:00- 16:00 Uhr gemacht. Und wir haben alle Tiere, außer Nashörner, gesehen, die es hier im Moment gibt. Mama und Heiko waren eben am Pool, und Mama kam eben herein und sagte: "Oh, schön. Du schreibst." Weil ich das hier, also das, was wir erleben, in einem Buch festhalten soll , dass ich dann für später habe. Aber dieses ist das nich, in dem ich ehrlich bin. Wenn sie nur wüsste. Besser nicht. 

07.10.2013 Auf dem weg nach Riet Retief 
Wir sind heute seit 8:00 Uhr unterwegs und waren eben beim Harley Händler. Heute geht es nach Riet Retief. Ich könnte mich beinahe nicht zusammen reißen. 
Im Hotel Riet Retief 
Mir wird der Hals eng , die Welt verschwimmt. Schon wieder.

08.10.2013 St. Lucia 
Heute sind wir wieder weiter gefahren. Bis zu einem Ort namens St. Lucia. Das ist so ein kleiner Surf-Ort, was aber irgendwie gar keinen Sinn macht, weil das Meer ein gutes Stück entfernt ist und es hier nur so von Haien wimmeln soll. 

09.10.2013 St. Lucia 
Heute haben wir Wale beobachtet und es war wirklich ein Erlebnis. Wir fuhren mit einem kleinen Boot raus aufs Meer und einer der Wale begrüßte uns schon mit einem Sprung. Mir würde dann aber übel und schwindelig. Meine Arme begannen zu kribbeln, meine Hände verkrampften und ich konnte nicht richtig atmen. Deswegen habe ich leider nicht sehr viel mitbekommen. 
Aber es wundert mich schon sehr, dass ich seekrank würde, wo wir doch schon so oft , ich glaube sechs oder sieben mal, eine Kreuzfahrt gemacht haben und da der weg zB von Norwegen nach Island auch nicht gerade ein Sonntagsausflug war. Naja.. 
Jedenfalls, nie wieder. 

10.10.2013 In der Nähe von Durban
Wir waren heute wieder am Meer. Ich mag das Meer. Sehr sogar. Aber ich finde es seltsam, wenn man weiß, dass es nur aufhört dich zu bewegen und das rauschen ständig dir Luft füllt. Ich brauche manchmal ruhe. Noch besser: vollkommenste Stille. Manchmal ist es gut, wenn es laut ist, vielleicht sogar hektisch. Das lenkt ab. Aber manchmal... Da ist es besser, wenn ich nichts höre außer mein Herzschlag und das Rauschen von Blut. Damit ich zur Ruhe komme. Einfache Stille. 

11.10.2013 in der Nähe von Durban
Ich rede mir im Moment sosehr ein, dass es mir gut geht, dass ich schon anfange, es zu glauben. Nur damit meine Mutter nicht nicht noch einmal weint, wegen mir. Damit dies auch wirklich die "Reise ihres Lebens" wird, wie sie hofft. Ich möchte gar nicht, dass es meine wird, denn das würde ja heißen, dass ich keine schönere Reise als diese machen werde und das wäre wirklich schrecklich, weil ich diese hier gar nicht wirklich lebe . Ich bin nur da. 

12.10.2013 Port Alfred 
Wir sind heute den ganzen Tag Auto gefahren. Von Durban bis nach Port Alfred. Locker 900 Kilometer.
Ich habe aus dem Fenster gestarrt, mich in die Musik fallen lassen und sie hat mich aufgefangen. 

13.10.2013 Port Alfred
Wir waren wieder am Strand. Ich hab mich in den Sand gelegt und blieb auf dem Rücken liegen. Meine Mutter sagte: "Schön warm da unten, oder ?" Und sie hatte recht. Der Wind war stiller und ich spürte die Wärme des Sandes unter mir. "Ja", antwortete ich, " hier unten ist es schön." Und ich überlegte, nicht mehr aufzustehen, einfach am Boden zu bleiben. 

14.10.2013 Port Elizabeth
Ich habe "Die Frau des Zeitreisenden" gelesen und muss seitdem die ganze Zeit  darüber nachdenken, ob unsere Leben nach bestimmten Schicksalen verläuft. Egal, was ich versuche. Es wird immer aus das gleiche hinaus laufen. Nur, was das ist, werde ich erst sehen, wenn es so weit ist. 

15.10.2013 Port Elizabeth 
Vorhin noch war es erträglich, jetzt habe ich wieder den Boden unter den Füßen verloren. Er, der ein Jahr im Ausland sein sollte, ist zurück, hat das Jahr abgebrochen. Und jetzt streitet Alina wieder mit mir. Meine Eltern streiten die ganze Zeit. Und ich kann nicht. Meine Hände Kribbeln schon vor Verlangen danach. 

16.10.2013 Port Elizabeth 
Ich mache mir Sorgen wegen der ganzen Hausaufgaben. Wenn wir zurück kommen ist Freitag. Ich kann dann meinen Koffer auspacken und mittags die Zettel bei Lena abholen. Dann habe ich den ganze Nachmittag und den Abend bzw. Nacht, um so viel zu machen wie möglich. Dann gehe ich Samstag mit Alina in die Schanze und mache mich nachmittags wieder ab die Arbeit. Abends und nachts das gleiche. Vielleicht schaffe ich es dann Sonntag noch zu Leonie. 
Hachja. Ich liebe es zu planen. 

17.10.2013 Mosselbay
Mama hat gerade ein Buch von mir zu ende gelesen, das sehr gut sein soll. Ich hasse das aber, Bücher abzubrechen, deswegen werde ich das, welches ich jetzt lese, zu Ende lesen und dann das andere anfangen. Sie hat dann gesagt: "Das Leben ist zu kurz um schlechte Bücher zu lesen, schlechte Freunde zu haben und schlechten Wein zu trinken." 

18.10.2013 Hermanus 
Ich habe letzte Nacht schreckliches geträumt. Ich kann mich auch nur noch an ganz wenig erinnern und bekomme es nicht mehr richtig zusammen. Ich war mit Lena auf einer Wiese und wir hatten eine Zeitschrift, die wie eine Art PC-Spiel war. Man konnte da aber rein gehen und das virtuelle Spiel würde real. In dem Spiel drin, waren wir immer noch auf der Wiese aber auf einmal fielen uns Puppen an, deren Münder blutverschmiert waren. Eine verbiss sich in meinem Arm und ich wusste, dass ich sie töten musste. Ich schaute in meine rechte Hand und stach mit dem Messer zu. Dann lief ich zu der Zeitschrift und dachte, ich könnte das alles stoppen indem ich sie zerriss. Das Tat ich. Ich fiel hin und sah, dass ich keine Beine mehr hatte. Ich fand Streichhölzer und zündete die Blätter an. Sie brannten und ich brannte auch. Ich wusste, dass ich das nicht überleben würde und es war mir egal. 

19.10.2013 Hermanus 
Ich räume nun seit einer Stunde auf. Mein Hotelzimmer. Und es ist unglaublich aufgeräumt. Mein Koffer liegt aufgeklappt auf dem Hocker, die Schuhe stehen daneben aufgereiht. T-Shirt liegt auf T-shirt, Jeans auf Jeans. Die Kissen auf dem Sofa sind aufgeschlagen und penibel drapiert. Die Fenster sind alle geschlossen, die Rollläden herunter gelassen. Mein Buch liegt auf dem kleinen Nachtschränkchen neben dem Bett, die Tagesdecke liegt zusammen gelegt auf der anderen Seite neben dem Bett. Die Bettdecke ist zurückgeschlagen. Auf der Kommode liegt mein Schminktäschchen neben Bürste und Kamm. Aber ich bin so unruhig. 

20.10.2013 Hermanus 
Eben gab es den Sonntagsgottesdienst im fernsehen. Ich vermisse Taizé. Sehr.

21.10.2013 Hermanus
Wale.

22.10.2013 Kapstadt
Wir sind heute im letzten Hotel angekommen. Die letzte Stadt. Kapstadt.
Als wir hier in der Nähe durch die Straßen liefen und kurz vor einem Fast-Food-Laden standen, weil uns so warm war, fragte uns ein Mann, ein Obdachloser wie es uns ginge und ob wir ihm etwas zu essen kaufen könnten, er habe so Hunger. Und selbst jetzt, wo ich dies hier schreibe, ist mir nach heulen. Ich kann auch gar nicht erklären, was ich fühle, irgendwie eine art Schuld denn Europa ist ein Kinderspiel dagegen und Scham, weil ich nur in unsere Küche gehen brauche und dort eine Auswahl vorfinde, von der Afrika träumt. Und dann fühl ich noch so etwas wie un-verständnis. Es gibt hier entweder stinkreich oder bettelarm. Das kann nicht richtig sein. Aber ich bin hilflos dagegen. Selbst, wenn ich etwas tun würde (und wir tun etwas. Meine Mutter gibt seit meiner Geburt das Kindergeld an ein afrikanisches Kind, inzwischen das zweite, damit es genug Essen und Kleidung hat und außerdem zur Schue gehen kann. Außerdem spenden wir regelmäßig und geben Kleidung immer ab). Aber das reicht nicht. Ich fühl mich gerade so unglaublich machtlos. Nutzlos.

23.10.2013 Kapstadt
Heute ist der letzte Tag. Wir waren am Kap der Guten Hoffnung. Schon Wahnsinn. Ich war im letzten vierte Jahr am Nord- UND am Südkap.  Und heute ist der letzte Tag. Soeben ist mir der Tafelberg vom Herzen gefallen.

24.10.2013 Im Flugzeug
Und wieder unterwegs. Ich hasse Flugzeuge.

25.102013 Zuhause in meinem geliebten Bett
Ich liege hier nun und es ist gleich Mitternacht. Ich bin Todmüde. Letzte Nacht sind wir ja geflogen und dementsprechend hab ich geschlafen. Gar nicht.
Die Heimreise war unglaublich anstrengend. Wir flogen vom Kapstadt nach Heathrow und hatten dort (so dachten wir) eine Stunde Aufenthalt. Aber dadurch, dass die Zeit in London eine Stunde zurück gestellt wird, waren wir zu spät und mussten den Flieger um 10:50 nehmen. Wir hätten eigentlich um 10:20 schon in Hamburg landen sollen. Also warteten wir dort und als wir dann endlich dachte, es ginge los, verspätete sich das Flugzeug und auch als wir drinne saßen, mussten wir noch 1,5 Stunden warten, weil irgendetwas defekt war und repariert werden musste. Also erreichten wir um 15:10 ENDLICH Hamburg, die Koffer waren auch alle da und ich konnte schon mal auspacken und meine Hausaufgaben nachholen. Es ist auch nicht so viel wie ich erwartet habe. Ich hab bis eben ein paar, sehr wenig, Bilder ausgesucht und bearbeitet.

Nachwort:
Nun mag es für einige von euch klingen, als wäre ich nicht dankbar, dass ich diese Reise machen durfte. Doch, das bin ich. Natürlich. Aber im Moment ist alles vor meinem Gesicht mit einem dunklen Schleier verdeckt und ich kann ihn mir nicht weg denken. Ich hab ein wenig die Lebensfreude oder Lust verloren und habe mir erhofft, durch die Reise endlich wieder sehen zu können. Zu atmen. Doch während ich weg war, bin ich beinahe erstickt, an diesem Schleier.
Ich hoffe trotzdem, dass es den ein oder anderen Interessiert und sich (vielleicht sogar alles :D) durchliest, was ich während der Zeit dort geschrieben habe.
Es sind auch nur ein paar Bilder, weil ich gerade so müde bin, dass ich beim Tippen einschlafen könnte. Vielleicht kommen im laufe der nächsten Tage noch welche dazu.
Gute Nacht und ein schönes Wochenende.

PS: Im Moment habe ih keinen Header, weil der, jedes Mal wen ich den hochlade, grau wird. Und auch mit einer URL hab ich das nicht hinbekommen. Deswegen bleibt mein Blog jetzt mal nackt. 

Kommentare:

  1. Du Herzallerliebstes Mädchen,
    ich habe mir alles durchgelesen (dauert nur 10 Minuten meine lieben, meiner Meinung nach lohnt es sich).
    Das was du erlebt hast ist so schön, aber irgendwie auch so erschreckend, traurig.
    Aber ich denke, alles was man im Leben verliert, kommt irgendwann wieder.
    Ich glaub an dich und daran das du alles schaffst.
    Dafür dass du Wale gesehen hast(zwar verschwommen), beneide ich dich unglaublich.
    Sie müssen so mächtig sein, aaah. Wenn ich nur daran denke kribbelt meine Haut. Auch mit dem Tiger, einfach unglaublich.
    Jetzt schreib ich so ein riesen Kommentar ,tut mir leid.
    Lass es dir gut gehen liebstes Mädchen.

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