28 Oktober 2013

Deine Hände zittern, und deine Schultern auch.

Ich war heute bei Frau Meisel, die Therapeutin, bei der meine Mutter wegen ihrem Vater war.
Sie war dabei, weil ich nicht gern alleine mit fremden Menschen reden mag, Jedenfalls hat sie mit meiner Mutter am Anfang geredet und die sagte, dass sie das Gefühl hat, dass ich dabei bin in ein Loch zu fallen und hat von Depression geredet. Darauf hat Frau Meisel nichts gesagt sondern wir fingen an mein leben von vor der Geburt aufzurollen und alle schönen und schlechten Höhepunkte aufzuschreiben. Das fing damit an, dass meine Eltern lange gewartet hatten, schwanger zu werden und auch während der Schwangerschaft sehr große Angst hatten, mich wieder zu verlieren. Ich wurde also geboren. Dann trat Leonie (meine Schwester und tatsächliche Stiefschwester) in mein Leben. Meine Eltern ließen sich scheiden. Leonie wurde durch einen Zeckenbiss schwer krank, Borreliose. Ich wurde eingeschult. Ich lernte Lena kennen (bis vor ein paar Jahren eine meiner besten Freundinnen). Bei meiner Mutter wurde Brustkrebs diagnostiziert. Ich wurde mit Lena auf das Gymnasium Buckhorn umgeschult . Meine Großmutter starb. Lena wechselte die Schule. Durch den hohen Schuldruck "verlernte ich zu Lachen" (Zitat von meiner Mutter). 1,5 Jahre später wechselte ich auch zur Stadtteilschule Bergstedt und kam mit Leonie in einer Klasse. Mein Bruder starb. Dann wurde die neue Klasse eröffnet und ich kam natürlich dahin. Ich versuchte all das, was ich in meiner (wirklich sehr sehr schlechten, unkonzentrierten, desinteressierten, nervigen) Klasse nicht lernte, zu Hause irgendwie nachzuholen. Ich lernte Alina kennen, meine Seelenverwandte. Dann kam die Oberstufe. (Ich habe Taizé und Noah ausgelassen, weil ja meine Mutter dabei war). Und weiter haben wir auch nicht gemacht. Meine Mutter erzählte immer wieder ein paar Dinge aus der Zeit, in der sie krank war usw. aber ich kann mich daran nicht mehr erinnern. Ich habe sowieso sehr wenig Erinnerungen an meine Kindheit. Frau Meisel sagte dann, dass ihr auffiele, dass ich vor allem negative Erlebnisse geschildert habe, und dass das Vergessen eine Art Schutzreaktion meines Kopfes ist, der, als ich noch so jung war, der Meinung war, dass ich noch nicht stark genug bin, das zu verarbeiten. Außerdem fragte sie mich, ob mir "Todessehnsucht" etwas sagen würde. Ich überlegte, ob ich ehrlich sein sollte und sagte schließlich ja. Das hätte ich gar nicht tun müssen, ich glaub sie hat es in meinen Augen gesehen. Sie sagte dann, dass das wohl ein Thema wäre, wenn wir alleine seien.
Außerdem sagte sie meiner Mutter, dass das keine Depression ist, sondern, dass ich, wo ich schon sehr sensibel, emotional und blabla bin, und auch mit meinen Freundinnen mitleide, das alles einfach nicht mehr tragen kann und ich durch meine Akzeptanz versuche, damit klar zu kommen. Und als sie das sagte, machte es Sinn. 
Ich habe den nächsten Termin mit ihr gemacht, diesmal alleine. 

PS: Ich habe überlegt, ob ich meinen Blog umbenennen will. Darüber denke ich schon eine Weile nach. Denn ich bin nicht mehr der Mensch der sagt: Lass uns weg laufen, alles hinter uns lassen. Weil, egal wohin ich laufe, alles mitkommt. Der Name, der mir im Kopf herum schwirrt ist "federleicht". Mein einer Tumblr heißt ja schon so. Und ich kann mich irgendwie total mit diesem Ausdruck identifizieren. Denn auch, wenn ich als schmales Persönchen nicht viel Gewicht auf dieser Welt darstelle und nicht viel verändern kann, mein Dasein so gesehen irrelevant ist, sind meine Schultern tonnenschwer. Und auch ist es die Perspektive der Selbsttäuschung: Das Leben ist leicht. Schön.

PPS: Einige interessiert, was mit meinem Bruder "passiert ist.
Er war abends unterwegs und ist mit Kopfhörern im Ohr über Bahngleise gelaufen.

Kommentare:

  1. was ist mit deinem bruder passiert?

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  2. Sehr bewegend. Wirklich. Wie anonym bereits fragte, würde mich auch interessieren, was mit deinem Bruder war. Vorher erwähntest du ihn nicht.
    <33

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