10 März 2015

Gefühle



"Wie du dich fühlst liegt immer bei dir!"
Ich habe diesen Satz gehasst. Aus ganzem Herzen. Denn natürlich will man nicht, dass es einem schlecht geht. Es ist fast eine Anschuldigung, dass man es gut findet, wenn man unglücklich ist, vielleicht für Aufmerksamkeit. Aber es liegt doch in der Natur des Menschen. Du hast Schmerzen --> du tust etwas gegen den Schmerz. Wie kommt es dann also dazu, dass es so vielen Menschen nicht gut geht?
Nein, ich glaube ab dieser Stelle muss ich von mir reden, damit sich keiner angegriffen fühlt.
Also: Warum ging es mir dann so lange schlecht?
Mochte ich die Rolle, in der ich mich befand?
Oder war es einfach leichter?

Ich denke, dass glücklich sein oder traurig sein gleich einfach beziehungsweise schwer ist. Der wirklich schwere Teil ist die Entwicklung von dem einen zum anderen, ob nun absichtlich oder  ungewollt. Als unglücklicher Mensch die schönen Dinge über das so offensichtlich Schreckliche zu stellen ist eine Schweine-Arbeit. Und sich dann noch daran zu erfreuen ist noch viel schwerer. Genauso, wenn einem als glücklicher Mensch auf einmal die schlimmen Dinge ins Auge fallen und man sich umsieht und alles Schöne irgendwie stumpf wirkt, unecht. 

Aber, was ich nie geglaubt habe, ist, dass es immer in deiner Hand liegt, in welcher Grund-Gefühlslage du dich befindest. Natürlich, man kann nicht immer die Geschehnisse beeinflussen, aber die Art wie du mit ihnen umgehst, wie du sie an dich ranlässt.
Das kann man nicht von heute auf morgen. Und das will man auch nicht glauben und akzeptieren, aber irgendwann ist man so genervt von sich selbst ( der so genannt Tiefpunkt), dass man es nicht mehr aushält.
Die neuen Arten, sich in bestimmten Situationen zu verhalten, muss man lernen. Aber wenn ihr dann wirklich sagen könnt: "Das wäre früher nicht so gewesen." dann ist das ein wirklich wunderbares Gefühl.
Z.B. hab ich mich letztens ganz komisch mit jemandem gestritten und während ich früher völlig aufgelöst gewesen wäre und über nichts anderes mehr hätte nachdenken können, blieb ich dieses mal ganz ruhig. Ich habe versucht aus der anderen Perspektive zu denken und, auch wenn ich sie nicht ganz verstand, habe mich dann nicht mitreissen lassen und konnte mich davon distanzieren. Das wäre vor einem Jahr nicht denkbar gewesen. Der Streit bleibt etwas Schreckliches, aber ich leide nicht mehr so stark darunter.

Es geht nicht darum eure Gefühle zu unterdrücken. Ganz im Gegenteil. Denn, wenn man mal ehrlich ist, diese Gefühle von Angst, Traurigkeit oder Wut sind nur das Ergebnis eines Gedanken. Z.B. " Oh Gott, ich habe mich mit dem und dem gestritten, ohne den und den bin ich gar nichts. Ich bin eine schreckliche Freundin. Der und der will bestimmt nie wieder mit mir reden. Ergebnis: Panik. Man muss diesen Gedankenlauf unterbrechen, bevor er eine Eigendynamik entwickelt. Z.B. "Oh Gott ich hab mich mit dem und dem gestritten, aber warte mal! Was habe ich denn getan und was hat der und der getan? Wie sehe ich die Situation? Wie der und der? Wie kam es zu dem Streit?" Und schon stellt man die durch Gedanken verursachten Gefühle nach hinten und schaut klar auch die Dinge. 

Und genau diese Art von Entwicklung meine ich. Es geht nicht darum dem anderen zu zeigen, dass einen das alles überhaupt nicht interessiert, oder darum in Stresssituationen anderen die eigene Ruhe unter die Nase zu reiben. Es geht dabei nur um euch. Um euer Wohlempfinden und euer Glück. 
Und solang es nur für euch ist, müsst ihr euch auch nicht dafür rechtfertigen. Was auch immer euch dann hilft, solange es andere nicht erheblich schadet, ist es gut.

Liebst, L.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen